Erhaltungs- und Überwachungsprozeduren für Türme und Maste

(erstellt in Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüros Gottfried    Fecke, 59427 Unna-Hemmerde, Heckenstr. 32)

 

1.   Inspektionsintervalle für Turmprüfungen

Bisher werden gemäß DIN 4131 (11.91) alle 6 Jahre sog. große Turmprüfungen durchgeführt. Dieses feste Inspektionsintervall ist zu groß. So sollte z.B. vor Ablauf der Garatiefrist, d.h. in der Regel kurz vor dem Ablauf von 5 Jahren eine große Turmprüfung durchgeführt weden, um Garantieansprüche durchsetzen zu können.

Die daran anschließenden großen Turmprüfungen sollten mit zunehmendem Alter in engeren Abständen erfolgen.

(Hinweis:  In Großbritannien werden z.B. alle 2 Jahre große Turmprüfungen vorgenommen).

 

2.   Werksabnahme

Werksabnahmen dienen der Überprüfung der Fertigungsqualität, sie sind ein Instrument der Qualtätssicherung. Hierbei sind neben den üblichen Kontrollen, wie: eingesetzte Werkstoffe (möglichst durch Härteprüfungen überprüfen, hier gibt es international viele falsche Zeugnisse !), Schweißnahtqualität, Schraubengüte, Unterlegscheiben, Verzinkung, auch die Maßhaltigkeit der Fertigungshilfsmittel zu überprüfen. Es sind, wegen ungenauer Auflagerböcke Mastschüsse stark tordiert ausgeliefert worden.

 

3.   Messung der vertikalen Ausrichtung

(1) Genaue Ausrichtung ist i.a. schwierig wegen der unvermeidbaren Ungenauigkeiten während der Herstellung und Errichtung. Es sollten stets Aufzeichnungen über die initiale Verformung erstellt werden, um spätere Abweichungen erkennen zu können.

Wenn keine Turm- oder Mastverdrehungen möglich sind, reicht eine Überwachung aus 2 Richtungen aus.

(2) Wenn Verdrehungen des Schaftes möglich sind, müssen soviel Messungen vorgenommen werden, wie Ecksstiel vorhanden sind. Aus den Ablesungen kann dann die Position der Turmachse und die Verdrehung ermittelt werden. Verdrehungen beeinflussen die Ablesungen stark.

Stets sollten die Ablesungen zeichnerisch dargestellt werden, um eine Vorstellung der tatsächlichen Verformungen zu erhalten.

(3) An Tagen mit stärkerem Wind (>5m/s) sollte nicht gemessen werden.

 

4.   Messung der Vorspannkraft der Abspannseile

(1) An Tagen mit stärkerem Wind oder an Tagen mit sehr hoher Temperatur oder starker Sonnenstrahlung sollte nicht gemessen werden.

(2) Die folgenden Methoden zur Bestimmung der Vorspannkraft sind einfach durchzuführen und liefern hinreichend gute Ergebnisse.

a) Dynamometer (wird auf Seil geklemmt, mißt die Durchbiegung unter definierter Querlast)

Vorteil: Einfache Nutzung durch Aufklemmen

Nachteil: Kalibrierung an gleichem Seiltyp

 

 

b) Messung des Endtangentenwinkels Peilung der Endtangente auf Mastschaft, hieraus Rückrechnung der Vorspannkraft.

Vorteil: Einfaches Handling des Fernrohres

Nachteil: Ablesung während der Montage stört.

Voraussetzung: Keine Isolatoren

 

 

 

 

 

c) Hydraulische Geräte

Entlastung der Bolzen durch Überbrückung mit hydraulischer "Zange", Prüfung, ob Spiel zwischen Bolzen und Loch und Loch auftritt

Vorteil: Genaue Messung, ohne Kalibrierung auf Seiltyp

Nachteil: Gerät ist gewichtig, I.a. mehrere Personen

d); Schwingungsmessung:

Aufschaukeln der Abspannung per Hand. Die Abspannung muß in der ersten Eigenform schwingen. Häufig reicht bereits die Anregung durch den (geringen) Wind aus, bei Beobachtung der Seilmitte mit Fernrohr, Theodolith o.ä. kann die Frequenz dann i.a. deutlich identifiziert werden.

Dann: Messung der Frequenz, die Seilkraft ergibt sich aus:

                              F = 4 * L * f² * M

mit:

F = Seilkraft (kN)

L = Sehnenlänge des Seils (m)

f = 1. Eigenfrequenz des Seils (Hz)

M = Gesamte Masse des Seils (einschließlich Beschichtung etc.)

Isolatoren in Seilmitte dürfen nicht vorhanden sein.

Vorteil: Einfache Methode, durchführbar durch eine Person

Nachteil: Isolatoren verfälschen die Messungen relativ stark.

 

5.   Kontrolle der Besteigungseinrichtungen

(1) Leiter und Befestigungen, Sicherheitseinrichtung und deren Befestigung. Falls keine Sciherheitseinrichtung vorhanden ist: Empfehlung an den Masteigner solche Einrichtung einzubauen.

Prüfung der Rettungseinrichtungen, Prüfung des Sitzes der Gitterrostbefestigungen (4 Klemmen sind i.a. erforderlich)

 

6.   Kontrolle der Verbindungsmittel

(1) Prüfung des Bolzensitzes. Lose sitzende Bolzen können i.a. leicht durch Rutschmarken an den Unterlegscheiben identifiziert werden.

(2) Prüfung der Schweißnähte auf Oberflächenrisse. Risse deuten sich i.a. durch Farbänderungen der Beschichtung an.

Nutzung des Farbeindringverfahrens in Zweifelsfällen

 

7.   Kontrolle der tragenden Bauteile

(1) Prüfen der Eckstiele, Diagonalen und Horizontalen auf bleibende Verformungen.

Prüfen auf Vorbeulen in Rohrmantelschäften.   Häufig sind dies Schäden aus der Montagephase.

(2) Wenn die Schäden nicht ernst sind, festhalten im Protokoll für weitere Beobachtungen.

Bei ernsten Schäden, die offensichtlich nicht durch Montage o.ä. entstanden sind: Klärung der Ursachen!

 

8.   Kontrolle hochbeanspruchter Bauteile

1) Bereiche mit hoher Beanspruchung müssen sehr sorgfältig inspiziert werden. Beginnende Ermüdung äußert sich häufig in Farb- oder Oberflächenveränderungen der Beschichtung oder lokale Rostansätze.

 

9.   Kontrolle der Abspannseile

1) Abfahren des Seils ist i.a. nicht notwendig, wenn die (kritischen) oberen und unteren Enden besichtigt werden können (Wasseransammlung unten, Bild ).

Abfahren des Seils ist unbedingt notwendig, wenn Isolatoren oder Flugwarnmarker vorhanden sind. Der Bootsmannsstuhl sollte hierbei niemals auf dem Seil selbst laufen, da hierdurch erhebliche Beschädigungen auftreten können.

 

 

 

 

 

Gelegentliche Beobachtung mit dem Fernglas zeigt Schäden, insbesondere an Seilanschlüssen auf, wie das nebenstehende Bild zeigt:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(2) Besondere Aufmerksamkeit muß den Koronaringen (falls vorhanden) geschenkt werden, da hier häufig starke Schwingungen auftreten. 

Prüfen der Isolatoren auf Überschläge und Risse

Prüfen der Flugmarker auf sichere Befestigung.

 

10.   Kontrolle des Korrosionsschutzes

(1) Prüfen und protokollieren des Korrosionsschutzes und seiner vermuteten Lebensdauer.

Besonderes Augenmerk muß Hohlräumen geschenkt werden, hier ist häufig innere Korrosion anzutreffen (auch bei verzinkten Strukturen).

 

11.   Kontrolle aller elektrischen Überbrückungen bei Selbststrahlern

(1) Gebrochene oder nicht verbundene Überbrückungen bei Selbststrahlern können schwere Störungen der Funktechnik zur Folge haben.

 

12.   Kontrolle der Fußisolation

(1) Besondere Sorgfalt muß bei Hohlkegel-Isolatoren aufgewendet werden, da innere Risse nicht erkennbar sind. Prüfung solcher Isolatoren mit speziellen Prüfgeräten, wie z.B. STATIFLUX.

 

13.   Kontrolle der Flugwarnbeleuchtung

(1) Kontrolle der Warnbeleuchtung. Messung der Kabelwiderstände, Leuchtenkontrolle, Kabelbefestigungen.

(2) Kontrolle der Flugmarker (Abfahren des Seils)

(3) Zustand des Flugwarnanstrichs (sind die Farben noch hell genug?). Wie groß ist die vermutliche Lebensdauer des Anstrichs?

 

14.   Kontrolle der Fundamente

(1) Prüfen auf Oberflächenrisse .

Kleinere Risse sind normal und unbedeutend. Größere Risse müssen beobachtet und dokumentiert werden, die mögliche Ursache ist zu ergründen.

(2) Prüfung des Übergangs Beton - Stahl. Stahl an der freien Luft hat ein anderes galvanishces Potential als der Bewehrungsstahl im Beton. Deshalb ist Korrosion möglich.

(3) Kann Vegetation die Verankerungen erreichen?

 

15.   Kontrolle der Antennen und Feeder auf mechanische Beschädigungen

(1) Antennen und Antennenbefestigungen

(2) Kabel und deren Befestigungen

(3) Kabelbrücken etc.

(4) Kontrolle der Gegengewichte bei Drahtantennen. Freilaufkontrolle der Gewichte.

 

16.   Kontrolle der Erdung und des Erdungssystems

(1) Kontrolle aller Verbindungen bis zu 30com unter der Erdoberkante wegen Bimetallkorrosion.

Quelle für derartige Korrosion sind häufig Verbindungen zwischen Kupfer und verzinktem Stahl. Ebenso kann die Verbindung von V4A-Edelstahl mit Verzinktem Stahl starke Korrosionserscheinungen hervorrufen.

(2) Messung des Erdungswiderstandes. Der Widerstand sollte kleiner als 5 Ohm sein.

Anmerkung :

Die Prüfung und Messung eines großen Erdungsschirms kann nicht im Rahmen einer Mastinspektion durchgeführt werden.